Interne Leitlinie Ovarialkarzinom

Die Vorgehensweise wird analog zum Ovarialkarzinom auch beim Tubenkarzinom und beim primären Peritonealkarzinom umgesetzt.

Das Tumorzentrum des Luzerner Kantonsspitals richtet sich nach der S3-Leitlinien der AGO aus dem Jahre 2020

S3-Leitlinie Ovarialkarzinom DKG

und an der ESGO Ovarian Cancer Surgery Guideline

ESGO-Guideline

25.08.20 - Überarbeiteter Artikel

Inhaltsverzeichnis

1. Präoperative Diagnostik

Zur Präoperativen Diagnostik siehe:

Präoperative Untersuchungen bei gyn. Malignomen

2. FIGO-Stadien

3. Perioperatives Management

SOP-Flowchart perioperativFormular Präopratives Assessment

zur Operations-Vorbereitung siehe: Verfahrensanweisung perioperativ allgemein

4. Grundlagen der Operation

  • Laparoskopisches Vorgehen im Stadium I kann gerechtfertigt sein
  • Bevorzugt zweizeitiges Vorgehen bei prämenopausaler Patientin
  • bei fortgeschrittenen Stadien folgende Vorgehensweise:

mediane Laparotomie, unmittelbare Exploration des Abdomens und Evaluation der Operabilität

Bei fraglicher Operabilität Hinzuziehen zweiter Gynäkoonkologie und gemeinsame Beurteilung

5. Bei Inoperabilität

lediglich histologische Sicherung und ggf. Entlastung einer Darmstenose, ggf. Aszitesdrainage

Wiedervorstellung an Gynäkoonkologie nach drei Zyklen Neoadjunvanter Chemotherapie durch die Onkologie vor erneuter Vorstellung am Tumorboard

6. Bei Operabilität

Histologische Sicherung durch Schnellschnitt

Maximales Tumordebulking, bei Beteiligung Darm Hinzuziehen der Viszeralchirurgie (wird immer vorher angemeldet)

Intraoperativ Flüssigkeitsbilanz wenn möglich Goal directed

Beurteilung des Situs und des abschliessenden Ergebnis im OP-Bericht

Unmittelbar postoperativ Information der Angehörigen und persönliche Übergabe der Patientin auf Intensivstation oder Aufwachraum an Anästhesie

abdominelle Drainage nur bei Darmanastomosen  

Pleuradrainage nur bei ausgeprägtem präoperativen Pleuraerguss und/oder transpleuraler Resektion

Eine systematische Lymphadenektomie erfolgt nur im Stadium Ib-IIa  als chirurgisches Staging zum Ausschluss eines höheren Tumorstadiums. Im Stadium Ia kann eine systematisch LNE je nach Tumorboardbeschluss durchgeführt werden.

In fortgeschrittenen Stadien erfolgt die Entfernung vergrösserter und/oder auffälliger Lymphknoten, jener die in der Bildgebung auffällig waren und/oder selektiv nach Befund durch intraoperativen Ultraschall

7. Die postoperative Betreuung orientiert sich an den ERAS-Protokollen

Link ERAS 2019

 

Präoperatives Assessment

Postop-Assessment Ovarialkarzinom

8. Pharmakotherapie

8.1. Für detailliertere Inromationen siehe interne Leitlinie 
Medizinische Onkologie: Leitlinie Med. Onk.

8.2. Indikationen

Die Diagnose der FIGO-Stadien <IIIC setzt eine adäquate Operation voraus (vergleiche Leitlinie gynäkologisches Tumorzentrum).

FIGO IA G1: Keine Chemotherapie.
FIGO IA G2, IB G1 und G2: Indikation als Individualentscheid.
FIGO ≥ IC: Immer.

Grad 3 und „clear cell“-Histologie: Immer.

8.3. Standardchemotherapie

8.3.1. FIGO llB - lllC
Paclitaxel (175mg/m über 3 h am Tag 1) + Carboplatin (AUC=5-6 mg/mL•Min am Tag 1) ]; 6 Zyklen zu 21 Tagen

8.3.2. ab FIGO llB mit sichtbaren Residuen oder FIGO lV
Paclitaxel (175mg/m über 3 h am Tag 1) + Carboplatin (AUC=5-6 mg/mL•Min am Tag 1) + Bevacizumab[1]; 6 Zyklen zu 21 Tagen,

+ Erhaltung mit Bevacizumab bis zu einer maximalen Therapiedauer von 15 Monaten.

8.3.3. bei Allergie gegen Paclitaxel oder vorbestehender Polyneuropathie

PEG-liposomales Doxorubicin (Caelyx®, 30 mg/m) + Carboplatin (AUC = 5 mg/ml*Min) Zyklen zu 21 Tagen (mit/ohne Bevacizumab)[ [1]

8.3.4. Patientinnen in frühen Stadien (FIGO lA G3 - llA)
Carboplatin (AUC 5mg/mL) 6 Zyklen für 21 Tage.

9. Nachsorge

  • Die Nachsorge nach Primärbehandlung erfolgt in Absprache mit den Zuweisern entweder durch diese oder gemeinsam mit der Gynäkoonkologie.
  • Eine Nachsorge durch die Onkologie ist primär nicht vorgesehen, kann aber bei persistierenden Nebeneffekten der Systemtherapie oder auf Wunsch der Patientin oder der Zuweiser ergänzend durchgeführt werden.
  • Bestandteil der Nachsorge sind halbjährliche gynäkologische und allgemeine Untersuchung, individuell in den ersten Jahren auch kürzere Abstände, Erfassung der Lebensqualität. Nach drei Jahren können die Abstände verlängert werden.
  • Mammographie alle zwei Jahre
  • Tumormarker werden nicht routinemäßig untersucht.
  • Eine weiterführende Bildgebung erfolgt symptomorientiert.

10. Rezidivsituation

  • Die Diagnostik in der Rezidivsituation folgt dem gleichen Prinzip wie bei der Primärbehandlung
  • Erhebung des AGO-Scores:
    • Komplettresektion bei Primär-OP
    • Aszitesmenge <500ml
    • guter Performance Status
  • bei einem positiven AGO-Score sollte am Tumorboard eine Rezidivoperation besprochen, und evaluiert werden ob eine Komplettresektion erreicht werden kann.
  • Alle Patientinnen mit Rezidiv werden prätherapeutisch am Tumorboard vorgestellt (Eine Ausnahme kann eine Akutsituation bei Ileus mit notwendiger chirurgischer Intervention darstellen)

11. Literatur

 

1. Pignata, S., et al., Carboplatin Plus Paclitaxel Versus Carboplatin Plus Pegylated Liposomal Doxorubicin As First-Line Treatment for Patients With Ovarian Cancer: The MITO-2 Randomized Phase III Trial. Journal of Clinical Oncology, 2011. 29(27): p. 3628-3635.

2. Moore, K., et al., Maintenance olaparib in patients with newly diagnosed advanced ovarian cancer. New England Journal of Medicine, 2018. 379(26): p. 2495-2505.

Autor: C. Braun
Autorisiert: C. Christmann
Version: 08/2020
Gültig bis: 31.12.2021