Vaginal Seeding (Vaginale Impfung)

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Hintergrund

In den westlichen Ländern steigt die Zahl allergischer Erkrankungen stetig an. Gleichzeitig kommen immer mehr Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Verschiedene Studien legten einen Zusammenhang nahe. Eine grosse dänische Untersuchung zeigt, dass eine Sectio tatsächlich als gemeinsamer Umweltrisikofaktor für immunologische Erkrankungen gelten kann. Die Schnittentbindung erhöht das Risiko für Asthma um 23%, für systemische Bindegewebserkrankungen um ca. 11%, für juvenile Arthritis ca. 10%, für kindliche Darmerkrankungen um 20% und für Immundefekte um 46%. Keine Häufung zeigte sich dagegen beim Typ l Diabetes, bei der Psoriasis und bei Zöliakie.

Vaginal Seeding

Bei einer vaginalen Geburt nehmen Neugeborene im Geburtskanal bestimmte mütterliche Bakterienarten auf, die für die Entwicklung ihres Immunsystems förderlich sind. Beim Kaiserschnitt fehlt dies. Abhilfe soll hier das Vaginal Seeding schaffen, bei dem das Neugeborene am ganzen Körper, auch an den Augen und im Mund mit den Vaginalbakterien der Mutter bestrichen wird. Aktuell bleibt unklar, ob damit die obgenannten Risiken vermindert werden können. Es ist erwiesen, dass die Bakterienzusammensetzung auf der Körperoberfläche des Kindes und im kindlichen Darm unterschiedlich ist, bei Kindern, die einen Kaiserschnitt ohne Vaginal Seeding und bei Kindern, die ein Vaginal Seeding erhalten haben. Ob dies kausal für eine längerfristige Prävention der allergischen Erkrankungen sorgt, bleibt unklar.

Grundsätzlich bleiben kindliche Risiken beim Vaginal Seeding. Es wäre unverantwortlich Kinder mit Risikokeimen, wie Streptokokken, Herpesviren oder Chlamydien anzustecken, bei einem bis heute nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesenen Effekt.

Konkretes Vorgehen an der Frauenklinik Luzern

  • Vorhandener Vaginalabstrich muss negativ auf Streptokokken, Gonorrhoe, Chlamydien, Herpes-Viren in der 36. SSW sein.
  • Eine Stunde vor der geplanten Sectio wird ein in Salzlösung (NaCl) getränktes Gazestück z. B. Longuette in die Vagina der Kaiserschnitt-Patientin eingelegt. Wenige Minuten vor der Operation zieht die Hebamme die Gaze wieder heraus und gibt sie in einen kleinen sterilen Behälter. Nach der Geburt des Kindes zieht die Hebamme die Gaze über das ganze Gesicht und schliesslich über den ganzen Körper des Kindes.

Das Vaginal Seeding wird von der Frauenklinik aktuell nicht aktiv propagiert. Bei Nachfragen der Eltern und nach ausführlicher Aufklärung im Schwangerschafts-Ambulatorium kann das Vaginal Seeding werdenden Eltern angeboten werden.

Literatur

BMJ 2016;352:i227, "Vaginal seeding of infants born by caesarean section" How should health professionals engage with this increasingly popular but unproved practice ?

Autor: M. Hodel
Autorisiert: M. Hodel
Version: 08.02.2017
Gültigkeit: 30.06.2020