PDA / Geburtshilfliche Regionalanästhesie

Inhaltsverzeichnis

1. Zweck, Prinzip

Geburtshilfliche Regionalanästhesie – Regelung Einsatz in Geburtshilfe der NFKL und der Überwachung von Mutter und Kind

2. Begriffe und Abkürzungen

  • BD: Blutdruck
  • P: Puls
  • SpO2: Sauerstoff-Sättigung im Blut
  • PDA: Periduralanästhesie
  • Heb: Hebamme
  • DA: Dienstarzt
  • CSE: Kombinierte Spinal- und Epiduralanästhesie

3. Beschreibung

3.1 Einsatzbereich

Verfahren der Wahl, um den Geburtsschmerz zu reduzieren

  • Zeitpunkt der Anlage ist unabhängig von der Muttermundsweite und unabhängig vom Höhenstand des kindlichen Kopfes
  • Keine Erhöhung der Sectiorate
  • Kein klinisch relevanter Einfluss auf Erfolg einer vaginalen Geburt, aber
    • Erhöhung der instrumentellen Entbindungsrate
    • Verlängerung im Mittel der EP 26-40 min, der AP um 11-15 min
    • Oxytocinverbrauch erhöht (45% vs. 34%)
  • Mögliche Medikamente:
    • Lokalanästhetika in verschiedenen Konzentrationen
    • Opiate
    • Ev. Testdosis
  • Einfluss auf das Kind:
    • Direkte Wirkung vernachlässigbar, selbst für Opiate
    • Indirekte Wirkung abhängig von der Balance erwünschter / unerwünschter Effekte
    • Unerwünschte Effekte: arterielle Hypotension, erhöhter Oxytocinverbrauch, verlängerte AP, instrumentelle Entbindung

3.2 Indikationen

  • Geburtsschmerz, Erschöpfung
  • Zwillingsgeburt zur schmerzfreien Ermöglichung einer inneren Wendung des zweiten Zwillings aus Querlage mit ganzer Extraktion
  • Protrahierter Geburtsverlauf, Einstellungsanomalie, nötige Wehenstimulation bei maternaler Intoleranz

3.3 Kontraindikationen

Fehlendes Einverständnis der Schwangeren, lokaler Infekt oder Metall (nach Rücken-OP) an der Punktionsstelle, Sepsis, Gerinnungsstörung, Einnahme gerinnungshemmender Substanzen, Hypovolämie, pathologisches CTG mit Indikation zur sofortigen Entbindung

3.4 Komplikationen

Aufklärung durch Anästhesie vor Punktion:

Infekt, Blutung, Duraperforation mit postpunktionellem Kopfschmerz (i.d.R. 1-3d nach Punktion, häufig selbstlimitierend nach 1-2 Wochen)

3.5 Vorbereitung / Ablauf

  • Indikation: prinzipiell ärztliche Indikation, Hebamme kennt Verlauf und informiert Arzt
  • Die Heb. informiert DA, dass eine PDA gelegt wird, danach Info Anästhesie.
  • Die Heb. stellt den "PDA-Wagen" bereit mit epiduraler PCA-Pumpe, Akte mit aktuellen Laborresultaten, Abrechnungsblätter, 1 Polybag Ropivacain 0,1% /Fentanyl
  • Set Atropin / Ephedrin im Zimmer bereitlegen, Anwendung s.u.
  • 1000ml Ringerfundin i.v. anhängen

3.6 Überwachung

  • CTG: bei supektem oder pathologischem CTG: Dauer-CTG während Anlage PDA.
  • Es kann während der PDA-Anlage auf die Aufzeichnung der fetalen Herzfrequnez verzichtet werden, wenn das CTG direkt zuvor physiologisch ist und keine Risikofaktoren bestehen. Nach dem Legen der PDA werden die Herztöne kontinuierlich aufgezeichnet.

CAVE: plötzliche Hypotonie => FHF-Monitoring sofort an

  • BD/P: Ausgangswert, ab Beginn der Verabreichung des Anästhetikums peridural alle 3-5min., wenn PDA wirkt alle 30min.
  • Puls/SpO2: ab Beginn PDA-Anlage bis die PDA wirkt
  • Vor PDA-Anlage Urin lösen, im Verlauf alle 2h Urin lösen oder 1xKath.
  • Infusion: Ringerfundin frei in Druckmanschette (max. 3l/24h)
  • Set Atropin / Ephedrin bei Hypotonie oder maternaler Bradycardie, Anwendung / Dosierung:
    • BD <100/50mm Hg => 10mg = 1ml Ephedrin Sintetica unverdünnt i.v.
    • 500ml Ringerfundin über 30 min. i.v.
    • Maternaler Puls < 50 bpm => 0,5mg Atropin (=1ml) unverdünnt i.v.

3.7 Entfernen des PDA-Katheters

  • Erst ziehen wenn keine Interventionen mehr vorgesehen sind (Nähen, Placenta u.ä.).
  • Katheter muss sich mühelos entfernen lassen.
  • Vollständigkeit des Katheters überprüfen => schwarze Markierung an der Spitze !
  • Deckverband für 1h (steriler Tupfer, Mefix)
  • Der Katheter wird nicht durch studierende Hebammen entfernt
  • Ausnahme: Stud. Heb. in Zusatzmodul B in Begleitung der dipl. Hebamme
  • 1. Gabe Fragmin (NMH) frühestens 4h nach Katheterentfernung, Heparin (UFH) frühestens nach 1h

4.1 Walking PDA

  • Periduralanästhesie mit Kombination von Lokalanästhetikum und Opiat
  • tiefere Dosierung/Konzentration des Lokalanästhestikums möglich
    => geringere motorische Blockade der Beine
  • Anlage obere LWS (L2/3)
    => Patientin wird nicht durch eine motorische Schäche der Beine beeinträchtigt
  • Voraussetzung: frühzeitige Anlage MM < 4 cm
  • Vorteile: höhe mütterliche Zufriedenheit, Verkürzung der EP
  • Die Mobilisation hat weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf den Geburtsverlauf

4.2 Spinale sub partu

  • Niedrigere Konzentration des Anästhetikums und der Opiate als bei spinaler Anästhesie für OP. Meist wird ein lipophiles Opioid in Kombination mit hyperbarem Bupivacain 0,5 % injiziert. Keine Beinträchtigung der Motorik !
  • Einsatzbereich: in der späten EP oder AP, wenn keine Zeit mehr bleibt für PDA

4.3 CSE

  • Kombination von Spinal- und Epi/Periduralanalgesie
  • Vorteile
    • spinale Komponente => rasche und effektive Analgesie.
    • Durch Kombi mit Spinalanästhesie kann die nötige peridurale Dosis reduziert werden => weniger motorische Blockaden
  • Nachteile:
    • anspruchsvollere Technik und tiefere Punktionshöhe auf L3/4, L4/5 (Conus medullaris Höhe L1)
    • nach Wegfall der Wirksamkeit der spinalen Komponente kann es unter alleiniger PDA-Komponente zur motorischen Beeinträchtigung der Beine kommen

Autor: J. Kohl
Autorisiert: M. Hodel, A. Kyburz
Version: 06.01.2016
Gültig bis: 30.06.2021