Anti-D-Rhesusprophylaxe

23.01.18 - Richtlinien Tabelle eingefügt

Inhaltsverzeichnis

Zweck, Prinzip

Diese Arbeitsanweisung regelt den Ablauf und die Vorgehensweise bei der Anti-D-Rhesusprophylaxe

Begriffe und Abkürzungen

  • Ambi = Ambulatorium
  • Muki = Mutter-Kind-Abteilung

Anti-D-Rhesusprophylaxe

Screening auf irreguläre Blutgruppenantikörper

Bei 1. Schwangerschaftskontrolle

  • ABO-Blutgruppe(1)
  • Rhesusfaktor (D) (1)
  • Antikörpersuchtest zum Nachweis irregulärer erythrozytärer Blutgruppenantikörper (AK)

(1) Eindeutige Resultate ergeben sich aus 2 unabhängig voneinander entnommenen Blutproben und unabhängig durchgeführten Bestimmungen.

In der 28. SSW

  • Bei Rh-negativer Mutter (inkl. partial D, z.B. DVI) (1) mit negativem Antikörperbefund in der Frühschwangerschaft
  • Durchführung eines weiteren Antikörpersuchtestes vor der Gabe der Anti-D Prophylaxe circa in der 28. Schwangerschaftswoche.

Eintritt zur Geburt

  • Antikörpersuchtest zum Nachweis irregulärer Antikörper
  • gegebenenfalls Spezifizierung des Antikörpers bei:
    • Positivem direktem Antiglobulin-(Coombs-) Test (DAT) des Neugeborenen
    • Transfusionspflicht des Neugeborenen

Nach der Geburt

Blutentnahme unmittelbar nach der Entbindung eines Kindes einer Rh-negativen Mutter für Kinderblutgruppe aus NS-Blut, rotes EDTA-Röhrli

  

Indikationen für Rhesusprophylaxe 1-4

1. Antepartale Prophylaxe

Eine antepartale Prophylaxe wird generell bei jeder Rhesus-negativen (inkl. partial D, z.B. DVI)Schwangeren empfohlen.

Hinweise zur antepartalen Prophylaxe

  • Anti-D soll in der Regel zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche, unter Umständen auch später, verabreicht werden.
  • Vor der Anti-D-Gabe ist ein weiterer Antikörpersuchtest auf irreguläre Blutgruppen-Antikörper durchzuführen. Es ist sinnvoll, zuerst das Ergebnis des AK-Suchtestes abzuwarten. Ist dies nicht möglich, ist es aus praktischen Gründen trotzdem zulässig, Anti-D zu injizieren ohne das Ergebnis des AK-Suchtestes abzuwarten. Zu beachten ist, dass bei gleichzeitigem Vorgehen die Blutentnahme vor der Injektion erfolgen muss!
  • Partial D ist immunologisch d (Rh-negativ) zuzuordnen, im Gegensatz zu Du (alte Nomenklatur).
  • Die Durchführung eines weiteren AK-Suchtestes ist bis zur Geburt nicht mehr sinnvoll, vorausgesetzt, es fand sich ein negativer Antikörpersuchtest bzw. kein für die Schwangerschaft relevanter Antikörper in der Frühschwangerschaft und es erfolgte bis zur Geburt keine Transfusion der Schwangeren.
  • Beim Neugeborenen kann gelegentlich ein schwach positiver direkter Antiglobulin-(Coombs-)Test (DAT) nachgewiesen werden.
  • Falls im Zusammenhang mit dem Bereitstellen von Blutkonserven (z.B. für Sectio oder Austauschtransfusion des Neugeborenen) der AK-Suchtest positiv ausfällt, darf nach belegter Rhesusprophylaxe ohne vorgängige Antikörperspezifizierung Rh-negatives (ccddee) und Kell-negatives Blut verabreicht werden. Voraussetzung ist, dass die Verträglichkeitsprüfung im indirekten Antiglobulin-(Coombs)Test (IAT) negativ ausgefallen ist. Es liegt im Ermessen des Arztes, nachträglich eine AK-Spezifizierung durchführen zu lassen.

 

2. Bei Schwangerschaftskomplikationen

 Spontanaborte ohne Curettage

  • Eingriffe wie:
    • Abruptio (auch medikamentös)
    • Abort-Curettage, auch bei Blasenmole
    • Chorionbiopsie
    • Amniozentese
    • Cordozentese
    • Interventionen am Feten
  • EUG
  • Vaginale Blutungen: Abortus imminens, vorzeitige Plazentalösung, Placenta praevia
  • Therapiebedürftige vorzeitige Wehentätigkeit
  • Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Nach Cerclage, totalem Muttermundverschluss
  • Nach äusserer Wendung aus Beckenendlage oder Querlage
  • Traumen aller Art (Sturz, Autounfall usw.)

 

Eine Anti-D-Gabe ist alle 12 Wochen bis zur Geburt zu wiederholen. Bei interkurrentem Ereignis ist wahrscheinlich auch bei kürzerem Intervall eine Anti-D Gabe nach individuellem Ermessen angezeigt, wozu allerdings bis dato keine Evidenz vorliegt.

 

3. Postpartale Prophylaxe

Eine postpartale Prophylaxe ist indiziert bei jeder Rhesus-negativen Mutter (inkl. partial D, z.B. DVI) mit Rhesus-positivem Kind (auch bei Tubenligatur).

  • Die Anti-D-Verabreichung soll innerhalb von 72h nach der Geburt erfolgen.
  • Falls die Anti-D-Prophylaxe unterlassen wurde, soll diese noch bis 14 Tage nach Geburt nachgeholt werden.
  • Es ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, 6 Monate nach der Geburt eine Nachkontrolle zu machen, um mit der Frau über weitere Schwangerschaften zu sprechen und sie zu beraten (z.B. Verdacht auf Immunisierung bei feto-maternaler Makrotransfusion).

4. Bei Gabe von Blut bzw. Blutprodukten

  • Thrombozyten; Granulozyten (von Rh-positiven oder gepoolten Spenden).
  • Nach Fehltransfusionen von Rh-positivem Blut bei Rh-negativer Person soll Anti-D in entsprechender Dosierung per infusionem verabreicht werden (s. unter Abschnitt « Dosierung»).

Durchführung bei der Mutter

 Injektion von Anti-D innerhalb von 72 Stunden nach dem Ereignis.

  • Wird diese Zeit überschritten, sollte dennoch Anti-D verabreicht werden.
  • Nach Geburt oder nach Ereignis mit einer evtl. feto-maternalen Makrotransfusion(Def. s.unten):Type & Screen Nachkontrolle 72 h post
  • Zusätzliche Anti-D-Gabe bei
    1. 2 ‰ fetaler Erythrozyten im Kleihauer-Test, oder
    2. negativem indirektem Antiglobulin-(Coombs-)Test (IAT): Überprüfung des Nachweises fetaler Erythrozyten bei der Mutter mittels Kleihauer-Test (oder vergleichbarer Testverfahren, in Speziallabors).

Kontrolle AKS immer 24 Stunden nach der erneuten Anti-D-Gabe. Bei Bedarf weitere Anti-D-Gaben erforderlich.

Anmerkung:

  1. Anteil ‰ fetaler Ec im Kleihauer-Test x 5 = ml transfundiertes Blut. 
  2. Makrotransfusion wird definiert als >25ml Fetalblut (Kleihauer > 4 o/oo).

Dosierung

  •  Standarddosis Anti-D-IgG: i.v. (auch i.m.) 300 μg

Es wird empfohlen bei:

    • Eingriffen und Zwischenfällen vor 12. SSW: 300 μg
    • Eingriffen und Zwischenfällen nach 12. SSW: mind. 300 μg
    • Antepartaler Prophylaxe (28.—30. SSW): 300 μg
    • Postpartaler Prophylaxe: 300 μg
  • 300 μg reichen aus, um 12—15 ml fetale Erythrozyten (entsprechen 24—30 ml fetalem Blut) zu neutralisieren.
  • Bei feto-maternaler Makrotransfusion wird die Dosierung gemäss dem anhand des im Kleihauer-Test geschätzten Ausmasses der Einschwemmung bestimmt (10 μg pro ml Rh-positives Blut).
  • Nach inkompatiblen Transfusionen (auch > 300 ml) reicht eine Gesamtdosis von 300 μg Anti-D aus. (Das Sensibilisierungsrisiko entspricht gemäss
    Pollack et al. (1971) 0.5‰.)

 

Wichtige Hinweise

  •  Information an die Schwangere
    1. mündlich
    2. schriftlich: z.B. Impfausweis, Rhesuspass, evtl. im Blutgruppenausweis, besonders wichtig, wenn mehrere Prophylaxen erfolgten
  • Information des Gynäkologen, der Hebamme, des Neonatologen usw.
  • Information des Labors
    • bei Durchführung/Kontrollen von AK-Suchtests
    • bei Durchführung der Blutgruppenbestimmung des Neugeborenen
  • In Absprache und nach Informationsgespräch mit der Schwangeren kann bei Rh-negativem Vater auf die antepartale Anti-D-Prophylaxe verzichtet werden.
  • Bei Nachweis von Anti-D lediglich im Enzymtest (und nicht im indirekten Antiglobulin-(Coombs)-Test (IAT)), soll trotzdem die Anti-D-Prophylaxe durchgeführt werden.
  • Cave: Eine Hämoglobinopathie (z.B. Thalassämie) kann einen persistent hohen HbF-Wert bei der Mutter vortäuschen.
  • Je nach Charge kann das Anti-D-Präparat Begleitantikörper wie Anti-C enthalten.

Autor: M. Hodel
Autorisiert: M. Hodel
Version: 16.04.2014
Gültig bis 30.06.2020