Oxford-CTG

Einsatz auf Pränatalabteilung

05.11.19 - Bei Hospitalisation auf der Pränatalabteilung Oxford CTG immer vormittags.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Einsatz

Das Oxford- CTG wird auf Verordnung des Arztes geschrieben.

Handhabung

  • Eine Oxford- Analyse wird einmal pro 24 Stunden durchgeführt. Nur in besonderen high-risk Fällen mit Sorge vor einer akuten fetalen Verschlechterung Intervall verkürzen.
  • Bei hospitalisierten Schwangeren: Oxford CTG am vormittag. Weitere konventionelle CTG nachmittags und ggf. mittags.
  • Die Oxford-Analyse wird nach erstmaligem Erfüllen der Kriterien oder – wenn die Kriterien nicht erfüllt sind - spätestens nach 60 min beendet und ist im Philips Intellispace einsehbar.
  • Die Schwangere zeichnet manuell mit einem Knopf die verspürten Kindsbewegungen auf.
  • Die Kurzzeitvariation wird dem DA telefonisch mitgeteilt. Dieser beurteilt die Analyse.
  • Bei einem Oxford- CTG ist die Herztonkurve (FHR-Tracing) möglicherweise anders zu beurteilen als bei einem konventionell (K-) CTG (Philips Avalon). Bei schlechter Auswertbarkeit: konventionelles CTG schreiben.

Grund für die Verordnung

Konservatives Management: IUWR, SGA, suspekter oder pathologischer Doppler

26+0 SSW – 31+6 SSW (möglich im spezifischen Fall davor und danach)

Verwendungszweck

  • Unter Braxton-Hicks-Kontraktionen oder Vorwehen möglich. Nicht als CTG sub partu geeignet.
  • Kein Diagnosemittel, sondern lediglich ein weiteres Beurteilungskriterium. Die Software vergleicht Parameter der fetalen Herzfrequenz mit Kriterien, die eine normale Aufzeichnung definieren. Eventuelle Abweichungen werden dabei hervorgehoben.

Analyse

Die erste Analyse erfolgt nach 10 min und dann alle 2 min.

Maximale Aufzeichnugsdauer 60 min..

Die Analyse passt den bislang gesammelten Herzfrequenzdaten eine Grundlinie an und misst von dort ausgehend Akzelerationen und Dezelerationen. Die Kuzzeitvaration wird berechnet. Weiterhin sucht die Analyse nach Episoden hoher und niedriger Variation. Anschliessend vergleicht das System die Analyseergebnisse mit den Dawes/Redman-Kriterien.

Zwillinge

Analyse möglich!

Bei der Analyse von Zwillingen berücksichtigt die SonicaidCare Analyse jedoch keine fetalen Bewegungen.

Ablaufschema

Dawes-Redman-Kriterien

 

  • Eine Episode hoher Varation, oberhalb des ersten Perzentils für das Gestationsalter.
  • Keine Dezelerationen > 20 verlorene Schläge (> 100 verlorene Schläge bei Aufzeichungen von mehr als 30 Minuten Länge).
  • Basalherzfrequenz zwischen 116 und 160bpm, wobei leicht höhere oder niedrigere Raten nach 30 min akzeptabel sind, wenn alle übrigen Parameter im Normbereich liegen. In den Analyseergebnissen erscheint an dieser Stelle ein Sternchen. Es zeigt an, dass die fetale Herzfrequenz zu niedrig oder zu hoch liegt, dieser Zustand aber im Kontext der Gesamtaufzeichnung akzeptabel ist.
  • Mindestens eine fetale Bewegung oder drei Akzelerationen.
  • Kein Vorliegen eines sinusoidalen fetalen Herzrhythmus.
  • Kurzzeitvariation sollte bei 3 ms oder höher liegen.
  • Entweder eine Akzeleration oder Episoden hoher Variabilität > zehntes Perzentil und fetale Bewegungen > 20
  • Keine Fehler oder Dezelerationen am Ende der Aufzeichnung.

 

Die  Analyse kann beendet werden, sobald die Kriterien einmal erfüllt wurden.

Der FM800 gibt dann am Ende der Kurve einen Bericht über die Analyseresultate aus. Eventuelle Abweichungen werden dabei hervorgehoben. Wenn die Analyse nicht gestoppt wird, kann es vorkommen, dass die Anzeige zu "KRITERIEN NICHT ERFÜLLT" wechselt. Da ständig weitere Daten in die Analye einfliessen, können nachfolgende Analysedurchgänge zu einer Neuanpassung der Grundlinie führen, so dass beispielsweise eine Episode hoher Variation nicht mehr länger oberhalb des ersten Perzentils liegt.

 

Wenn der FM800 vor Ablauf der ersten 10 min gestoppt wird, erfolgt keine Analyse.

Nach 60 min beendet das System die Analyse, auch wenn die Überwachung fortgesetzt wird. Die ausgedruckten Resultate entsprechen dann denen, die nach der 60minütigen Analyse vorlagen.

Interpretation des Analyseberichts

Nach Anhalten der Analyse gibt der Drucker im Anschluss an die Kurve einen Bericht mit den Analyseergebnissen aus. Dieser Bericht umfasst:

  • Werte der berechneten Parameter
  • Wann die Dawes/Redman- Kriterien erstmals erfüllt wurden.
  • Ob die Dawes/Redman- Kriterien bei Abschluss der Analyse erfüllt wurden
  • Abnormale Befunde

 

Gründe für Nichterfüllen der Kriterien

Waren bis zum Ende der Analyse die Kriterien nicht erfüllt, gibt das System in kodierter Form neben der Meldung KRITERIEN NICHT ERFÜLLT den Grund an:

  1. Basalherzfrequenz ausserhalb des Normbereichs
  2. Grosse Dezelerationen
  3. Keine Episoden hoher Variation
  4. Keine Bewegungen und weniger als 3 Akzelerationen
  5. Grundlinienanpassung unsicher
  6. Kurzzeitvariation niedriger als 3ms
  7. Möglicher Fehler am Aufzeichnungsende
  8. Dezeleration am Aufzeichnungsende
  9. Hochfrequenter Sinusrhythmus
  10. Vermutlicher Sinusrhythmus
  11. Langzeitvariation in hohen Episoden unterhalb Akzeptanzwert
  12. Keine Akzelerationen

 

Anormale Befunde

** Doppelte Sternchen weisen auf eine der folgenden Bedingungen hin:

  • Fetale Herzfrequenz < 116 bpm oder > 160 bpm bei einer Aufzeichnung von weniger als 30 min Länge
  • Dezelerationen > 100 verlorene Schläge ( > 20 verlorene Schläge bei einer Aufzeichnung von weniger als 30 min Länge)
  • Keine Bewegungen und weniger als 3 Akzelerationen
  • keine Episode hoher Variation
  • Kurzzeitvaration < 3ms
  • Keine Akzelerationen und entweder < 21 Bewegungen pro Stunde oder Langzeitvariation in Episoden hoher Variation unterhalb des 10 Perzentils
  • Langzeitvariation in Episoden hoher Variation unterhalb des 1. Perzentils

 

* Ein einzelnes Sternchen weist auf eine der folgenden Bedingungen hin:

  • Kurzzeitvariation < 4ms, aber > und/oder = 3ms
  • Basalherzfrequenz < 116 bpm oder > 160 bpm bei einer Aufzeichnungslänge > oder = 30 min.
  • Dezelerationen sind vorhanden, erfüllen aber nicht die Kriterien bezüglich Ausprägung oder Aufzeichnungslänge

Ein einzelnes Sternchen bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Aufzeichnung die Kriterien nicht erfüllt. Wenn an der 30- Minuten-Marke alle übrigen Parameter normal sind, kann die Abweichung als innerhalb akzeptabler Grenzen liegend betrachtet werden, so dass die Analysekriterien erfüllt sind.

Hilfe zur Beurteilung

  • Hat das CTG ein pathologisches Muster mit z.B. schweren Dezelerationen, ist eine "gute KZV" nicht der Garant für die Abwesenheit eines fetalen distress!
  • Bei Schwangeren mit Typ-I-Diabetes mit hyperglykämer Stofwechsellage findet sich überproportional häufig ein Fehlen von Episoden hoher Variabilität (ca. 10% vs 1%)
  • LRI kann KZV reduzieren, Effekt bis zu 72h nach 1. Gabe des Betamethasons führen!
  • Andere Zustände (SIH, Präeklampsie, fetale Fehlbildung) haben genauso Einfluss auf fetale Herzfrequenz und können KZV reduzieren. Im Zweifel RSP mit fetomaternalem Hintergrund.
  • Zur KZV:
    • Kurzzeitvariation (KZV) = short-term-variation (STV):
    • Computerisiert erfasste mittlere Abweichung des R-R-Intervalls der fetalen Herzaktion
    • bei schwerer intrauteriner Kompromittierung (schwere IUGR, Plazentasinuffizienz, chronische Hypoxämie) Abnahme der Variabilität der kindlichen Herzschläge => Abnahme der KZV
    • zur KZV als Prognoseparameter nach Dawes/Redman:

    • Minimalanforderungen an KZV:

gemäss Protokoll der TRUFFLE-Studie (1h Ableitung):

erreicht werden müssen:

<29+0 SSW => KZV >3,5ms

>29+0-31+6 SSW => KZV >4,0ms

    • CAVE! Verlauf beobachten: nimmt die KZV über Tage hinweg langsam ab? => Risiko steigt!
  • Bewertung der KZV IMMER im Kontext:
    • Fetaler Doppler und fetales BPP
    • Maternaler Zustand
    • Fetales Herzmuster im konventionellen CTG
    • restliche Dawes-Redman-Kriterien

Literatur

Grivell RM, Alfirevic Z, Gyte GM, Devane D. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Sep 12;9 Antenatal cardiotocography for fetal assessment.

Lees CC et al. Lancet. 2015 May 30;385(9983):2162-72. Mar 5. 2 year neurodevelopmental and intermediate perinatal outcomes in infants with very preterm fetal growth restriction (TRUFFLE): a randomised trial.

Anwendung des CTG während Schwangerschaft und Geburt S1-Leitlinie AWMF 015/036

Autoren: M. Egger / J. Kohl
Autorisiert: M. Hodel
Version: 10/2015
Gültig bis 30.06.2020