Oxford-CTG

Einsatz auf Pränatalabteilung

25.06.20 - Ganzer Artikel überarbeitet

05.11.19 - Bei Hospitalisation auf der Pränatalabteilung Oxford CTG immer vormittags.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Einsatz

Das Oxford- CTG wird auf Verordnung des Arztes geschrieben.

Handhabung

  • Eine Oxford- Analyse wird einmal pro 24 Stunden durchgeführt. Nur in besonderen high-risk Fällen mit Sorge vor einer akuten fetalen Verschlechterung Intervall verkürzen.

  • Bei konservativem stationärem Management:
    Die Patientin erhält im Normalfall Morgens eine Oxford-Analyse und Abends ein konventionelles CTG.

  • Das CTG wird normal gestartet. Die Oxford-Analyse wird dann im Philips Intellivue unter dem Non-Stress-Test Symbol durchgeführt (Lupe mit rotem Strich). Die Oxford-Analyse stoppt automatisch, wenn die Kriterien erfüllt sind oder  – auch wenn die Kriterien nicht erfüllt sind –  spätestens nach 60 min gestoppt.

  • Die Schwangere zeichnet manuell mit einem Knopf die verspürten Kindsbewegungen auf.

  • Die Kurzzeitvariation wird dem DA telefonisch mitgeteilt. (Dieser kommt vorbei und beurteilt die Analyse.)

  • Bei einem Oxford-CTG ist die Herztonkurve (FHR-Tracing) möglicherweise anders zu beurteilen als bei einem konventionellen (K-) CTG (Philips Avalon). Bei schlechter Auswertbarkeit: konventionelles CTG schreiben.

Grund für die Verordnung

Konservatives Management: IUWR, SGA, suspekter oder pathologischer Doppler

26+0 SSW – 31+6 SSW (möglich im spezifischen Fall davor und danach)

Verwendungszweck

  • Unter Braxton-Hicks-Kontraktionen oder Vorwehen möglich. Nicht als CTG sub partu geeignet.
  • Kein Diagnosemittel, sondern lediglich ein weiteres Beurteilungskriterium. Die Software vergleicht Parameter der fetalen Herzfrequenz mit Kriterien, die eine normale Aufzeichnung definieren. Eventuelle Abweichungen werden dabei hervorgehoben.

Analyse

Die erste Analyse erfolgt nach 10 min und dann alle 2 min.
Maximale Aufzeichnungsdauer 60 min.
Die Analyse passt den bislang gesammelten Herzfrequenzdaten eine Grundlinie an und misst von dort ausgehend Akzelerationen und Dezelerationen. Die Kuzzeitvaration wird berechnet. Weiterhin sucht die Analyse nach Episoden hoher und niedriger Variation. Anschliessend vergleicht das System die Analyseergebnisse mit den Dawes/Redman-Kriterien.
Ist die Aufzeichung normal und die Kriterien werden erfüllt, erscheint in der Analyse ein grüner Balken.
Werden die Kriterien nicht erfüllt, wird im Status der Analyse ein roter Balken angezeigt.

Zwillinge

Analyse möglich!

Bei der Analyse von Zwillingen berücksichtigt die Analyse jedoch keine fetalen Bewegungen. Die Mutter muss gespürte Bewegungen nicht mittels Knopf selber aufzeichnen, da sie ja nicht immer eindeutig zu einem Kind zugeordnet werden können.

Ablaufschema

 

Dawes-Redman-Kriterien

  • Eine Episode hoher Varation, oberhalb des ersten Perzentils für das Gestationsalter.
  • Keine Dezelerationen > 20 verlorene Schläge (> 100 verlorene Schläge bei Aufzeichungen von mehr als 30 Minuten Länge).
  • Basalherzfrequenz zwischen 116 und 160bpm, wobei leicht höhere oder niedrigere Raten nach 30 min akzeptabel sind, wenn alle übrigen Parameter im Normbereich liegen. In den Analyseergebnissen erscheint an dieser Stelle ein Sternchen. Es zeigt an, dass die fetale Herzfrequenz zu niedrig oder zu hoch liegt, dieser Zustand aber im Kontext der Gesamtaufzeichnung akzeptabel ist.
  • Mindestens eine fetale Bewegung oder drei Akzelerationen.
  • Kein Vorliegen eines sinusoidalen fetalen Herzrhythmus.
  • Kurzzeitvariation sollte bei 3 ms oder höher liegen.
  • Entweder eine Akzeleration oder Variabilität in hohen Episoden > zehntes Perzentil und fetale Bewegungen > 20.
  • Keine Fehler oder Dezelerationen am Ende der Aufzeichnung.

 

Wenn die Analyse vor Ablauf der ersten 10 min gestoppt wird, erfolgt keine Analyse.

Nach 60 min beendet das System die Analyse, auch wenn die Überwachung fortgesetzt wird.

Interpretation des Analyseberichts

Nach Anhalten der Analyse erscheint unter Berichte die Zusammenfassung der Befunde, welche Folgendes beinhaltet:

  • Werte der berechneten Parameter
  • Wann die Dawes/Redman- Kriterien erstmals erfüllt wurden.
  • Ob die Dawes/Redman- Kriterien bei Abschluss der Analyse erfüllt wurden
  • Abnormale Befunde

Die Kurzzeitvariation wird manuell ins Flowsheet des Epic übertragen, damit ein Verlauf ersichtlich ist.

Gründe für Nichterfüllen der Kriterien

Waren bis zum Ende der Analyse die Kriterien nicht erfüllt, färbt sich der Balken im Analyse-Bericht rot.

  1. Basalherzfrequenz ausserhalb des Normbereichs
  2. Grosse Dezelerationen
  3. Keine Episoden hoher Variation
  4. Keine Bewegungen und weniger als 3 Akzelerationen
  5. Grundlinienanpassung unsicher
  6. Kurzzeitvariation niedriger als 3ms
  7. Möglicher Fehler am Aufzeichnungsende
  8. Dezeleration am Aufzeichnungsende
  9. Hochfrequenter Sinusrhythmus
  10. Vermutlicher Sinusrhythmus
  11. Langzeitvariation in hohen Episoden unterhalb Akzeptanzwert
  12. Keine Akzelerationen

Hilfe zur Beurteilung

 

- Hat das CTG ein pathologisches Muster mit z.B. schweren Dezelerationen, ist eine "gute KZV" nicht der Garant für die Abwesenheit eines fetalen distress!

- Bei Schwangeren mit Typ-I-Diabetes mit hyperglykämer Stofwechsellage findet sich überproportional häufig ein Fehlen von Episoden hoher Variabilität (ca. 10% vs 1%)

- LRI kann KZV reduzieren, Effekt bis zu 72h nach 1. Gabe des Betamethasons führen!

- Andere Zustände (SIH, Präeklampsie, fetale Fehlbildung) haben genauso Einfluss auf fetale Herzfrequenz und können KZV reduzieren. Im Zweifel RSP mit fetomaternalem Hintergrund.

- Zur KZV:

  • Kurzzeitvariation (KZV) = short-term-variation (STV):
  • Computerisiert erfasste mittlere Abweichung des R-R-Intervalls der fetalen Herzaktion
  • bei schwerer intrauteriner Kompromittierung (schwere IUGR, Plazentasinuffizienz, chronische Hypoxämie) Abnahme der Variabilität der kindlichen Herzschläge => Abnahme der KZV
  • zur KZV als Prognoseparameter nach Dawes/Redman:
  • Minimalanforderungen an KZV:

<29+0 SSW               =>       KZV >3,5ms (TRUFFLE Studie)
>29+0 SSW               =>       KZV >4,0ms (TRUFFLE Studie)
>32+0 SSW               =>       KZV >4,5ms  (FMF Kriterien)

  • CAVE! Verlauf beobachten:

nimmt die KZV über Tage hinweg langsam ab? => Risiko steigt!

  • Bewertung der KZV IMMER im Kontext:

1. Fetaler Doppler und fetales BPP
2. Maternaler Zustand
3. Fetales Herzmuster im konventionellen CTG
4. restliche Dawes-Redman-Kriterien

Literatur

Grivell RM, Alfirevic Z, Gyte GM, Devane D.
Cochrane Database Syst Rev. 2015 Sep 12;9
Antenatal cardiotocography for fetal assessment.

Lees CC et al.​​​​​​​
Lancet. 2015 May 30;385(9983):2162-72. Mar 5.
2 year neurodevelopmental and intermediate perinatal outcomes in infants with very preterm fetal growth restriction (TRUFFLE): a randomised trial.

Anwendung des CTG während Schwangerschaft und Geburt
S1-Leitlinie AWMF 015/036

Baschat A, Figueras F, Visser G, Nicolaides K.
​​​​​​​The Fetal Medicine Foundation. SGA Management. 2020.

Autoren: M Egger, J Kohl 2015

Aktualisiert: J Goldstein 06/ 2020
Autorisiert: J Kohl, A Winkler
Gültig bis 30.06.2022