Mekoniumhaltiges Fruchtwasser

Zweck und Prinzip

Vorgehen bei mekoniumhaltigem Fruchtwasser zur Prävention des Mekoniumaspirationssyndroms

Beschreibung

  • Definition: fetaler respiratorischer distress verursacht durch mekoniumhaltiges Fruchtwasser, wenn Mekonium unterhalb der Stimmbänder bzw. in der Lunge des Neugeborenen gefunden wird
  • Die Ausprägung eines Mekoniumaspirationssyndroms hat ein weites Spektrum bis zum Versterben des Neugeborenen
  • Wichtig sind Prävention und frühe Erkennung, korrektes Management, sowie gute Zusammenarbeit zwischen Hebamme, Geburtshelfer und Neonatologen
  • Der Grad der Verfärbung des Fruchtwassers ist abhängig von
  1. Menge an Mekonium
  2. Verdünnungsgrad
  3. Zeitspanne

Dick Mekoniumhaltiges Fruchtwasser: erbsbreiartig, viskös, körnig, undurchsichtig

Dünn Mekoniumhaltiges Fruchtwasser: wässrig, durchsichtig

Management

Präpartale Risikoreduktion

Da das Risiko von Mekoniumaspirationssyndroms mit zunehmendem Gestationsalter steigt, ist die Übertragung zu vermeiden. Die Geburtseinleitung wird bei T + 7 Tage angeboten.

Intrapartales Management

  • Information der Neonatologen und Hinzuziehen des neonatologischen OA bei dick mekoniumhaltigem Fruchtwasser
  • CTG-Überwachung:
    • bei dünn Mekonium haltigem Fruchtwasser: übliche CTG-Überwachung
    • bei dick Mekonium haltigem Fruchtwasser: engmaschig intermittierende CTG-Überwachung
    • bei dick mekoniumhaltigem Fruchtwasser und Vorhandensein weiterer Risikofaktoren (IUWR, Frühgeburtlichkeit, Diabetes, suspektes CTG): Dauer-CTG .
  • Informieren der Schwangeren über Situation und zu treffende Vorsichtsmassnahmen (CTG, Pädiater zur Geburt)
  • Wassergeburt:
    Bei dünn Mekonium haltigem Fruchtwasser: grundsätzlich möglich
    Bei dick Mekonium haltigem Fruchtwasser: kontraindiziert

Nicht mehr empfohlen: Absaugen nach Durchtritt des Kopfes vor der Schulterentwicklung.

Die Mekoniumaspiration bereits oft intrauterin stattgefunden. Bei der Geburt sollten die Neonatologen durch rechtzeitiges Hinzuziehen anwesend sein. Rasches Abnabeln und Übergabe des Kindes an die Neonatologen.

Sind Neonatologen nicht anwesend, ist zu unterscheiden:

1. Kind lebhaft: allenfalls sichtbares Mekonium aus Mundhöhle absaugen, nicht tief absaugen.

2. Kind deprimiert: stimulieren, nur oral absaugen, nicht tief, um nicht Vagusreiz zu provozieren. Erst dann bebeuteln. Warten auf Neonatologen, dann intratracheales Absaugen unter Sicht

Postpartale Überwachung

• Ein Mekoniumaspirationssyndroms zeigt sich üblicherweise unmittelbar nach der Geburt. Meist tritt eine Apnoe innerhalb der ersten 15 min postpartal auf.

• Intensive Adaptationsüberwachung bei mekoniumhaltigem Fruchtwasser für 4 Stunden.

• Bei Mekoniumaspirationssyndroms intensivmedizinische Überwachung mit Beatmung, Kreislaufüberwachung, Korrektur metabolischer Abweichungen, etc.

Mitgeltende Unterlagen

Schema Neo-IPS:

 

Literatur

  1. Guidelines der American Heart Association Neonatal Resusciation und Society of Obstetricians and Gynecologists (2005)
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Autor: E. Weber, 11 / 2013
Autorisiert: M. Hodel
Überarbeitet: A. Winkler, 03 / 2018
Gültig bis 30.12.2020