Geplante praeoperative Ballonokklusion bei Plazentastörung

28.03.18 - Titeländerung

27.03.18 - Mehrere Time out - Absprache des nächsten geplanten Schritte 1.bei Inspektion des Situs 2.bei Verschluss der Uterotomie 3.nach Ballonokklusion 4.vor Transfer in den Aufwachraum postop. Überwachung für mindestens 12 h auf Intensivmedizin / in Aufwachraum

Inhaltsverzeichnis

Zweck und Prinzip

Geplante Operationsverfahren bei Plazentationsstörung mit starker Blutungsgefahr bei Plazenta accreta, Plazenta increta und Plazenta percreta

 

Arbeitsgruppen

Radiologie:
Dienstarzt Radiologie Tel. Nr. 97 1341
(Kontakt vor Eingriffen und Nachblutungen)
Verantwortliche Ärzte:
Dr. med. Ruben Lopez Benitez, Tel. Nr. 97 4657
Dr. med. Alexander von Hessling, Tel. Nr. 97 4660
Dr. med. Markus Pfeiffer, Tel. Nr. 97 6089
Sekretariat:
Pia Christen, Tel . Nr. 97 4658
Heidi Koch, Tel. Nr. 97 4651
Operationstechnik Tel. Nr. 97 3552 Lorenza Zanotti, Tel. Nr. 974850
Gebärabteilung Tel. Nr. 97 3525
Geburtshelfer Tel. Nr. 97 6107 +
Dr. Markus Hodel, Co-CA, Leiter Geburtshilfe, Tel. 2803
Dr. Alice Winkler, LA, Leiterin Gebärsaal, 2822
Dr. Joachim Kohl, LA, Stv. Leiter Geburtshilfe, Tel. 3562
oder Hintergrunddienst Frauenklinik

Anästhesie
Tel. Nr. 97 1501 Dienstarzt bis 17'00 Uhr
Tel. Nr. 97 1500 Dienstoberarzt ab 17'00 Uhr
OA Anästhesie NFKL bis 17:00 1535 OA Anästhesie Dienst ab 17:00 1500
Dr. med. Andrea Kyburz, OAe mbF
Dr. med. Romedi Benz, OA mbF

Beschreibung

 

Die folgenden Ausführungen definieren das Vorgehen bei imminenten sonographischen und MRI-mässigem Verdacht auf eine Plazentationsstörung mit starker Blutungsgefahr.
Dabei handelt es sich um praepartal bekannte Schwangere. Der Eingriff wird bei kreislaufstabilen Patientinnen, bei welchen eine primäre Sectio geplant werden kann, durchgeführt.

Besprechung

  • Einberufen eines Round Table (interdisziplinären Arbeitsgruppe) nach Diagnosestellung durch Geburtshilfe über Schwangerenambulatorium im Rapportraum der Frauenklinik im 1. OG Zimmer 186. Gemeinsame Besprechung der Ultraschall- und der MRI-Bilder.
  • Schriftliche Festlegung des Prozedere in Medfolio durch den Oberarzt Gebärsaal. Klärung des Bedarfs von Cellsaver / Rapid-Infusor, periphere und zentrale Venenzugänge, arterielle Katheter
  • Gemeinsame Patientenaufklärung über Operation, Anästhesie, Ballonokklusion inklusive der potentiell nachfolgenden Embolisation sowie der postoperativen Überwachung durch Geburtshelfer, Anästhesie und interventionellen Radiologen
  • Terminfestlegung des Eingriffs in Absprache mit dem OP-Management, angestrebt wird die 34 + 0 SSW

Begriffe und Definition

Praeoperative Ballonokklusion: Elektive temporäre Okklusion der arteriellen Versorgung der Gebärmutter (mittels Ballonimplantation) während der Sectio bei pränatal bekannter Placentationsstörung.

Ablauf der praeoperativen Ballonokklusion der A. iliaca interna

Durchführung des Eingriffs in der radiologischen Abteilung

  • (Hauptgebäude EG, Angiographieraum 1 (bevorzugt) oder 2), Hebamme schreibt während dieser Zeit ein CTG
  • Vor Ballonokklusion aktuelle Gerinnungs- und Nierenfunktionswert (INR, Quick, Thrombozyten, APTT, Kreatinin, Harnstoff)
  • Die Schwangere wird von der betreuenden Hebamme im Bett in die radiologische Abteilung, Angiographieraum 1 oder 2, transportiert.
  • Die Ballonimplantation findet unter sterilen Bedingungen in der radiologischen Abteilung durch den interventionellen Radiologen und dem MTR-Team statt.
  • Der zuständige Oberarzt Gebärsaal oder ein Vertreter ist vor Ort, um die Kommunikation zwischen der Radiologie, der Anästhesie, der Schwangeren und dem Operationssaal-Personal sicher zu stellen.
  • Nach der Ballonimplantation wird die Patientin von der Hebamme und dem Oberarzt Gebärsaal direkt in den Operationssaal im UG der Neuen Frauenklinik begleitet, bevorzugt OP-Saal 2.

Lagerung

  • Stiefellagerung mit Vakuummatratze (wie G2), jedoch nicht mit den Armen am Rumpf
  • Abgesenkte Beine, um den inguinalen Katheter einzulegen
  • Beine wieder leicht aufstellen für die primäre Sectio

Desinfektion (keine bekannte Jodallergie)

  • Abdomen: Braunoderm
  • Intimbereich: Braunol
  • vaginale Desinfektion, wenn HE geplant mit Braunol, cave: wache Patientin !

Abdecken

  • Lap Pac:
  • Es muss bis unter den Rippenbogen abgewaschen werden, falls eine Langslap nötig wäre.

Ausdecken

  • Geiss für abdominalen Sectioeingriff
  • Kleiner Tisch für das vaginale Vorgehen (Vaginalsieb)

Während der gesamten Transports, sowie der Umlagerung der Patientin auf den Operationstisch werden die eingelegten Schleusen und Ballone vom Radiologen kontrolliert, um eine Dislokation, resp. Verschiebung zu verhindern.

Mehrere Time out - Ankündigung / Absprache des nächsten geplanten Schritte

  1. bei Inspektion des Situs
  2. bei Verschluss der Uterotomie: vag. Blutung? V.a. Plazentalösung?
  3. nach Ballonokklusion
  4. vor Transfer in den Aufwachraum bzw. auf intensivmed. Abteilung: weiter Überwachung und Schmerztherapie, ggf. PDA


Im Operationssaal ist der Radiologe verantwortlich für die Ballondilatation in Koordination mit dem Geburtshelfer, der die Sectio durchführt.
Die Ballonokklusion wird unmittelbar nach Abnabelung des Kindes vorgenommen.
Die Ballondeflatierung findet in Koordination mit dem Geburtshelfer statt, sobald das Blutungsrisiko nach Entfernung der Plazenta nicht mehr besteht.
Die linke Schleuse sowie die Ballone werden direkt im OPS durch den Radiologen entfernt.
Die Entfernung der Ballone und der rechten Schleuse wird 6h postoperativ im Aufwachraum oder auf der Intensivstation durch die Radiologen durchgeführt, wenn definitiv kein Blutungsrisiko mehr besteht.
Während dieser Zeit müssen die Patientinnen eine prophylaktische Antikoagulation bekommen, mit 5000 E Liquemin intravenös in 12 Stunden.
Ein bilateraler Druckverband wird vom Radiologen bei jeder Patientin für mindestens 6 Stunden angelegt.
Bettruhe für 8 Stunden nach Schleusenentfernung
Bei femoralen inguinalen Nachblutungen (Punktionsstelle) bitte sofort manuelle Kompression etablieren, i/v-Infusionen aktivieren (20 ml Ringerfundin/min) und unverzüglich den Dienstarzt Anästhesie (Tel. Nr.: 97 1501, 97 1500) und den interventionellen Radiologen kontaktieren (Dienstarzt Radiologie, Tel. Nr.: 97 1341). Dieser kann direkt den interventionellen Radiologen informieren.

Postoperative Überwachung für 12 - 24 h immer in Aufwachraum oder auf Intensivmed. Abteilung. Anmeldung der Schmerzvisite durch Anästhesie.


Autor: M. Hodel
Autorisiert: M.Hodel
Version: 27.03.2018
Gültig bis: 30.06.2021