CTG-Beurteilung

Inhaltsverzeichnis

Beurteilung

Jede diplomierte Hebamme und alle Ärzte (in Weiterbildung) sind kompetent ein CTG selbstständig zu bewerten. Wird eine weitere oder weiter verantwortliche Person informiert, ist die eigene Bewertung mitzuteilen. Dabei ist zu bedenken dass die CTG-Beurteilung ein stückweit subjektiv sein kann. Die CTG Bewertung steht im Geburtsverlauf und Geburtsbericht.

Vorgehen

  • Beurteilung der Ableitungsqualität, wenn unzureichend: Kopfschwartenelektrode
  • Klassifikation in physiologisch = normal (engl.: reassuring), suspekt (engl.: non-reassuring) oder pathologisch nach FIGO-Kriterien
  • Beurteilung der Wehenfrequenz (Tachysystolie: > 5 Kontraktionen in 10 Min. über 20 Min. Dauer)
  • Dezelerationen:
    • Müssen in variable (Nabelschnurkompression), frühe (Kopfkompression) und späte (Hypoxiehinweis) eingestuft werden
    • Müssen repetitiv, d.h. bei 50% der Kontraktionen auftreten, um die Klassifikation zu verschlechtern. Ausser: prolongierte Dez. > 3 Min.
  • Sinusoidales Muster: Amplitude 5-15 bpm, 3-5 Zyklen pro Min., mindestens 30 Minuten. Das sinusoidale Muster ist Ausdruck einer fetalen Anämie und tritt bei Rh- oder anderen Antikörpern, fet.-mat.-Transfusion, fetofetale Transfusion und Ruptur Vasa prävia auf. Auch bei Hypoxie, Infektion, Herzfehler, Hydrozephalus, Gastroschisis.

Dezelerationsbewertung

  • Frühe: wenig tief bis angedeutet, kurz, erhaltene Variabilität
  • Variable: Können tief sein, «V»-förmig, (schneller Abfall, schnelle Erholung)
  • Ungünstige variable Dezelerationen: wenn «U»-förmig, begleitet von Variabilitätsverlust, Abfall über 60 bpm von der Baseline und Dauer über 60 sec
  • Späte: Nadir nach Wehenakme, eher breit (langsamer Abfall und langsamere Erholung). Achtung: Bei reduzierter Variabilität sind auch angedeutete Dezelerationen < 15 bpm pathologisch!

Bewertungstabellen

2015 überarbeitete FIGO guideline zur intrapartalen fetalen Überwachung



Bezüglich Variabilitätsdauer und Dezelerationsart, -dauer, -tiefe ist die NICE-Klassifikation präziser (https://stratog.rcog.org.uk/tutorial/obstetrics/nice-classification-of-fetal-heart-rate-features-6348)

CTG Beispiele

Beispiel frühe Dezelerationen

Beispiel variable Dezelerationen

3 Beispiele späte Dezelerationen



Beispiel sinusoidales CTG

Interventionen um das CTG zu verbessern

  • Lagerung
  • Oxytocinstopp
  • Tokolyse
  • Ggf. Entfernung von Prostaglandinen
  • i.v.-Ringer oder p.o.-Flüssigkeit
  • Paracetamol und i.v. Flüssigkeit bei Temperaturanstieg

Besondere Situationen

Frühe Gestationswoche

  • Korrelation zwischen CTG und Depression / Azidose ist stärker bei Frühgeburt wegen reduzierter Glykogenreserve.
  • Weniger Variabilitätsverlust in den Schlafphasen. Eine Variablität unter 5 bpm ist früher ein Hinweis auf Hypoxie.
  • Physiologisch sind: weniger Akzelerationen, eine höhere Baseline (150-160 bpm) und häufiger vereinzelte Dezelerationen

Intrauterine Infektion

  • veränderte fetale Antwort auf Hypoxie: Fetus sensitiver für Hypoxie
  • Höherer O2-Bedarf, grösseres Risiko für metabolische Azidose

Dickes Mekonium

  • Dauer CTG bei zusätzlich IUGR, FG, Diabetes, suspektem CTG
  • Bei Variabilitätsverlust oder var. Dezelerationen häufiger tiefe 5 Min Apgar
  • Risiko für Mekoniumaspirationssyndrom,
  • Neonatologie OA zur Geburt

Diabetes mellitus

  • erhöhter Sauerstoffbedarf mit grösserer Gefahr einer subpartalen Asphyxie
  • grosszügige Indikation zur Sectio oder Fetalblutanalyse bei auffälligem CTG

Abkürzungen

FIGO Internationale Föderation der Gynäkologie und Geburtshilfe

NICE National Institute for Health and Care Excellence, UK

bpm beats per minute

Referenzen

FIGO consensus guidelines: Cardiotocography. Int J of Gynecol Obstet 131 (2015) 13–24

https://stratog.rcog.org.uk/tutorial/obstetrics/ni...

Autor: A. Winkler
Autorisiert: A. Winkler
Version: 18.05.2017
Gültig bis: 30.06.2020