Vorzeitiger Blasensprung am Termin

10.02.21 - Kleinere Änderungen, u.a. Flowcharts angepasst

27.10.20 - Dalacin p.o. bei Penicillinallergie im ambulanten Management

20.05.20 - Diätetisch eingestellter Gestationsdiabetes keine Kontraindikation zum ambulanten Management

14.11.19 - Flow Chart ausgewechselt

06.11.19 - 06.11.2019 Flow Chart aktualisiert

07.01.19 - Flow-Chart Antibiotikum bei VBS, FG, und Strepto B

01.03.18 - Verkürztes Vorgehen bei Ausschluss Blasensprung ohne CTG

06.12.17 - Blasensprung am Termin: Bei stationärem Management: Zunächst alternative Einleitungsmethoden, spätestens 12 Stunden nach VBS Geburtseinleitung

Inhaltsverzeichnis

Definition

Blasensprung vor Einsetzen der Wehentätigkeit ab der 37+0 SSW.

 

Sicherung der Diagnose

Eindeutiger Blasensprung :

  • Keine Spekulumeinstellung
  • Strepto B Abstrich abnehmen (falls noch nicht vorhanden)
  • CTG und Ultraschall (Fruchtwassermenge)
  • Eintrittslabor zur Geburt (Link Blutentnahmen in der Geburtshilfe) und CRP
  • Kein ROM plus Test nötig

Fraglicher Blasensprung:

ROM plus Test durch Hebamme ohne Speculumeinstellung

Durchführung ROM plus Test: Tupfer 5-7 cm tief in die Vagina einführen und nach 15 Sekunden herausziehen, Tupfer im Lösungsfläschchen 15 Sekunden drehen, Teststreifen nach Herausnehmen des Tupfers einführen, Ergebnis nach 5-10 Minuten ablesen.

 

Proaktives Management

 

Expektatives Management

In Absprache mit dem Paar kann ein expektatives Vorgehen gewählt werden.
Voraussetzungen:

  • Klinisch und laborchemisch kein Anhaltspunkt für ein beginnendes Amnioninfektsyndrom
    • kein maternales Fieber
    • keine maternale Tachykardie
    • physiologisches CTG
    • keine Kontraktionen
    • kein stark druckdolenter Uterus
    • Unauffälliges Infektlabor (CRP<10, Leukozyten<14)
  • Strepto-B-Status negativ

 

Stationäres expektatives Management

  • Zunächst alternative Einleitungsmethoden, spätestens 12 Stunden nach VBS Geburtseinleitung (siehe: Einleitungsmethoden)
  • Nach 12 Stunden Beginn mit Antibiotikaprophylaxe:

2.2 g Co-Amoxi-Mepha® i.v. (Amoxicillin und Clavulansäure) alle 8h

Bei Penicillinallergie: siehe unten

     

    Ambulantes expektatives Management

    Voraussetzungen

    • Kopf fix im Becken
    • Werdende Primipara
    • Mehrpara ohne Status nach schneller Geburt
    • Streptokokken Gruppe B-Abstrich vaginal/rektal vorhanden und negativ
    • keine BEL
    • kein insulinpflichtiger Gestationsdiabetes
    • kein St. n. Sectio caesarea
    • keine relevante maternale Grunderkrankung
    • Spital in 30 Minuten erreichbar

    Praktische Durchführung

    • Weitere Kontrollen alle 12 Stunden: CTG, Infektlabor (Link), evt. vaginale Untersuchung
    • Nach 12 Stunden Beginn mit Antibiotikaprophylaxe:

    1g Co-Amoxi-Mepha® p.o. (Amoxicillin und Clavulansäure) alle 12 h

    Bei Penicillinallergie: Clindamycin 300 mg p.o. alle 8 h

    • Bei steigenden Infektparametern wird sofort mit Antibiotikaprophylaxe begonnen und eingeleitet.
    • Spätestens nach 48 Stunden wird eingeleitet.
    • Primär soll auf die Bedürfnisse der Schwangeren eingegangen werden. Keine Patientin wird aktiv gedrängt nach Hause zu gehen. Der Entscheid liegt beim Oberarzt Gebärsaal (Grundsätzlich kann immer der Leiter Geburtszentrum oder seine Stellvertretung für rückgefragt werden)
    • Die Schwangeren werden informiert dass bei Auftreten von Kontraktionen, Blutungen, Schmerzen oder anderen Beschwerden mit der FKL Kontakt aufgenommen wird, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

    Abklärung bei Verdacht auf vorzeitigen Blasensprung

    Flowchart

    CAVE: Penicillin-Allergie

    • Niedriges Risiko für Anaphylaxie:
      St. n. makulo-papulärem Exanthem ohne Urtikaria oder Pruritus
      Initial 2g Cefazolin (Kefzol®), dann 1g alle 8h
      Die Prophylaxe mit Clindamycin ohne Resistenztestung gilt als inadäquat, wegen 20% Resistenzen (bestätigt für LUKS).
    • Hohes Risiko für Anaphylaxie:
      St.n. Anaphylaxie, Angioödem, Atemnot, Urtikaria
      Ideal: Resistenztestung vorliegend
    • Falls Erreger empfindlich auf Clindamycin getestet wurde: Clindamycin (Dalacin®) 900 mg iv. alle 8 Stunden bis zur Geburt
    • Bei unbekannter oder nachgewiesener Clindamycinresistenz: Vancomycin (Vancomycin®) 1g alle12h. Spiegelmessung ab einer Therapiedauer von 48h unmittelbar vor der 4. Gabe (=Talspiegel). Zielspiegel: 10-15 mg/l
    • Bei ambulantem Management: Clindamycin (Dalacin®) 300 mg p.o. alle 8 Stunden

     

    Penicillin G 10 Mio IE in 16 ml AquaDest auflösen (ergibt 20 ml) und gewünschte Menge an IE ( 10 ml = 5Mio IE, 5 ml = 2.5 Mio IE) entnehmen und in 100 ml Glucose 5% über 20-30 Min. alle 4h verabreichen. Immer in Kurzinfusion verabreichen.
    Rest ist für 24 Stunden im Kühlschrank haltbar (Tel. Rücksprache mit Spitalpharmazie)

    Co-Amoxi-Mepha 2.2 g in 100 ml NaCl 0.9% auflösen und über 30 Min. alle 8h verabreichen.

    Kefzol 1g (Initialdosis 2 g) in 100 ml NaCl 0.9% verdünnen und über 30-120 Min. alle 8h verabreichen.

    Vancomycin 2 Amp a 500 mg in 20 ml Aqua Dest auflösen und in 100 ml NaCl 0.9% verdünnen und über 60 Min. alle 12h verabreichen.

    Clindamycin 900 mg in 100 ml NaCl 0.9% über 30 Min. alle 8h verabreichen.

    Glucose 5% auch bei Frauen mit Diabetes

    Autor: M. Hodel, A. Winkler

    Überarbeitet: V. Uerlings, I. Kaufmann


    Version: 10.02.2021
    Gültig bis: 31.12.2022