Vorzeitiger Blasensprung am Termin

01.09.26 - Keine 12 Stunden Verlaufskontrolle nach VBS mehr, Eintrittslabor ohne CRP, Beginn Antibiose erst 18 Stunden nach Blasensprung

02.02.26 - Zubereitungs- bzw. Aufbewahrungsschema Penicillin G

05.02.25 - Exspektatives Management bei Blasensprung am Termin nur noch maximal 24h

13.04.23 - Co-Amoxi bei PROM > 37 SSW bei Streptokokken B-Trägertum

18.03.23 - PROM am Termin und Strep B positiiv: Co Amoxy statt Penicillin G

17.03.23 - Flowchart PROM / PPROM geändert

26.11.21 - ambulantes expektatives Management: Einleitung nach 48h

10.02.21 - Kleinere Änderungen, u.a. Flowcharts angepasst

Inhaltsverzeichnis

Definition

Blasensprung vor Einsetzen der Wehentätigkeit ab der 37W0T.

 

Sicherung der Diagnose

Eindeutiger Blasensprung :

  • Keine Spekulumeinstellung
  • Streptokokken Gruppe B-Abstrich abnehmen (falls noch nicht vorhanden)
  • CTG und Ultraschall (Fruchtwassermenge)
  • Eintrittslabor zur Geburt (Link Blutentnahmen in der Geburtshilfe), keine systematische CRP-Bestimmung bei unauffälliger Anamnese
    • CRP nur bei Fieber / Schüttelfrost, maternale Tachykardie, tachykardes CTG, mekoniumhaltiges Fruchtwasser und Leukozyten > 15 G/l bestimmen
  • Kein ROM plus Test nötig

Fraglicher Blasensprung:

ROM plus Test durch Hebamme ohne Speculumeinstellung

Durchführung ROM plus Test: Tupfer 5-7 cm tief in die Vagina einführen und nach 15 Sekunden herausziehen, Tupfer im Lösungsfläschchen 15 Sekunden drehen, Teststreifen nach Herausnehmen des Tupfers einführen, Ergebnis nach 5-10 Minuten ablesen.

 

Proaktives Management

 

Exspektatives Management

In Absprache mit der Schwangeren kann ein exspektatives Vorgehen gewählt werden.
Voraussetzungen:

  • Klinisch und laborchemisch kein Anhaltspunkt für ein beginnendes Amnioninfektsyndrom bzw .Tripple I
    • kein maternales Fieber
    • keine maternale Tachykardie
    • physiologisches CTG
    • keine Kontraktionen
    • kein stark druckdolenter Uterus
    • Unauffälliges Blutbild (Leukozyten < 15 G/l) bzw. unauffälliges Infektlabor (Leukozyten < 15 G/l, CRP < 10 mg/l)
  • Streptokokken Gruppe B-Status negativ
  • Kindsbewegungen vorhanden
  • Klares Fruchtwasser

 

Stationäres exspektatives Management

  • Zunächst alternative Einleitungsmethoden, spätestens 12 Stunden nach PROM Geburtseinleitung (siehe: Einleitungsmethoden)
  • Nach 18 Stunden Beginn mit Antibiotikaprophylaxe:

2.2 g Co-Amoxi-Mepha® i.v. (Amoxicillin und Clavulansäure) alle 8h

Bei Penicillinallergie: siehe unten

 

Ambulantes exspektatives Management

Voraussetzungen

  • Wunsch der Patientin
  • Kopf fix im Becken
  • Werdende Primipara
  • Mehrpara ohne Status nach schneller Geburt
  • Streptokokken Gruppe B-Abstrich vaginal/rektal vorhanden und negativ
  • Fet in Schädellage, keine Beckenendlage
  • Diätetischer oder Insulinpflichtiger Gestationsdiabetes < 40 IE Insulinbedarf
  • kein St. n. Sectio caesarea
  • keine relevante maternale Grunderkrankung, keine zusätzlichen geburtshilflichen Risikofaktoren (arterielle Hypertonie, Präeklampsie, fetale Wachstumsretsrdierung, Polyhydramnion...)
  • Möglichkeit der ambulanten Körpertemperaturmessung
  • Compliance der Patientin
  • Spital innert 30 Minuten erreichbar

Praktische Durchführung

  • Keine systematische ambulante Verlaufskontrolle 
  • Wiedervorstellung der Schwangeren zur Geburtseinleitung spätestens 24 Stunden nach vorzeitigem Blasensprung
  • Beginn mit Antibiotikaprophylaxe 18 Stunden nach Blasensprung (muss den Schwangeren mitgegeben werden):

1 g Co-Amoxi-Mepha® p.o. (Amoxicillin und Clavulansäure) alle 12 h

Bei Penicillinallergie: Clindamycin 300 mg p.o. alle 8 h

  • Ausführliches Aufklärungsgespräch inkl. Abgage von Informationen / Verhaltensmassregeln. Primär soll auf die Bedürfnisse der Schwangeren eingegangen werden. Keine Patientin wird aktiv gedrängt nach Hause zu gehen. Der Entscheid liegt beim Oberarzt Gebärsaal (Grundsätzlich kann immer die Rückbesprechung mit dem Hintergrund Geburtshilfe bzw. dem diensthabenden Kaderarzt erfolgen)
    • Selbstständig durch die Schwangeren bis zur Wiedervorstellung durchzuführen: Beurteilung der Kindsbewegungen und des vaginalen Ausflusses, grosszügigge Körpertemperaturmessung bei fraglich Fieber. 
    • Die Schwangeren werden informiert, dass sie bei Aufreten von Kontraktionen, Blutungen, Schmerzen, abnehmenden Kindsbewegungen, suspektem / übelriechendem vaginalen Ausfluss, Fieber, Schüttelfrost oder anderen Beschwerden unverzüglich mit der Frauenklinik Kontakt aufnehmen bzw. sich in die Frauenklinik wiedervorstellen sollen

CAVE: Penicillin-Allergie

  • Niedriges Risiko für Anaphylaxie:
    St. n. makulo-papulärem Exanthem ohne Urtikaria oder Pruritus
    Initial 2g Cefazolin (Kefzol®), dann 1g alle 8h
    Die Prophylaxe mit Clindamycin ohne Resistenztestung gilt als inadäquat, wegen 20% Resistenzen (bestätigt für LUKS).
  • Hohes Risiko für Anaphylaxie:
    St.n. Anaphylaxie, Angioödem, Atemnot, Urtikaria
    Ideal: Resistenztestung vorliegend
  • Falls Erreger empfindlich auf Clindamycin getestet wurde: Clindamycin (Dalacin®) 900 mg iv. alle 8 Stunden bis zur Geburt
  • Bei unbekannter oder nachgewiesener Clindamycinresistenz: Vancomycin (Vancomycin®) 1g alle12h. Spiegelmessung ab einer Therapiedauer von 48h unmittelbar vor der 4. Gabe (=Talspiegel). Zielspiegel: 10-15 mg/l
  • Bei ambulantem Management: Clindamycin (Dalacin®) 300 mg p.o. alle 8 Stunden

 

Co-Amoxi-Mepha 2.2 g in 100 ml NaCl 0.9% auflösen und über 30 Min. alle 8h verabreichen.

Penicillin G 10 Mio IE in 16 ml Aqua dest. auflösen (ergibt 20 ml) und gewünschte Menge an IE ( 10 ml = 5 Mio IE, 5 ml = 2.5 Mio IE) entnehmen und in 100 ml Glucose 5% (auch bei Patientinnen mit Diabetes) über 20-30 Min. verabreichen (Immer in Kurzinfusion verabreichen, zuerst 5 Mio als Ladedosis, danach 2.5 Mio alle 4h bis zur Geburt)

  • CAVE: Gemäss Spitalapotheke ist die rekonstituierte Lösung im Kühlschrank bis maximal 8 Stunden haltbar, insofern folgende Bedingungen eingehalten werden: 
    • Aseptische Zubereitung
    • Korrekte Beschriftung
    • Teilportionen (1 x 5 Mio IE, 2 x 2.5 Mio IE) in 3 verschiedene Spritzen aufziehen

Cefazolin (Kefzol®) 1 g (Initialdosis 2 g) in 100 ml NaCl 0.9% verdünnen und über 30-120 Min. alle 8h verabreichen.

Vancomycin (Vancomycin®) 2 Amp à 500 mg in 20 ml Aqua dest. auflösen und in 100 ml NaCl 0.9% verdünnen und über 60 Min. alle 12h verabreichen.

Clindamycin (Dalacin®) 900 mg in 100 ml NaCl 0.9% über 30 Min. alle 8h verabreichen.