Abstillen

Inhaltsverzeichnis

Primäres Abstillen innerhalb 24 Stunden post partum

Nach der Geburt der Plazenta fallen die Serumspiegel von Östrogen und Progesteron rasch ab und es kommt zu einem starken Anstieg von Prolaktin. In den ersten 3 – 4 Tagen nach der Geburt läuft die hormonelle Steuerung der Milchbildung und des Milchflusses endokrin ab, egal, ob die Frau stillt oder nicht (1).

Die Frau wird über die relativen Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden informiert. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit steigert die Qualität der Betreuung (2).

Medikamentöses primäres Abstillen

Der Wirkstoff Cabergolin ist ein Dopaminantagonist mit Prolaktin – senkender Wirkung, gilt als Mittel der Wahl zum primären Abstillen auf Wunsch (www.embryotox.de)

2 Tabl. Dostinex ® (Cabergolin) à 0.5 mg als einmalige Gabe auf ärztliche Verordnung. Während der Mahlzeit einnehmen.

Konservatives primäres Abstillen

Diese Art des Abstillens kann in folgenden Fällen gewählt werden:

  • wenn die Frau noch unsicher bezüglich ihres Abstillwunsches ist, z.B. nach der Geburt eines schwerkranken oder stark behinderten Kindes.
  • Es ist eine Möglichkeit, die Phase der Trauer nach einem IUFT körperlich zu unterstützen. Der Körper nimmt Abschied von seiner ursprünglichen Aufgabe "ein Kind zu ernähren".
  • Auch bei Frauen mit einem HELLP – Syndrom wird diese Methode gerne eingesetzt, da sie die HELLP Symptome nicht überdeckt und keinen Einfluss auf die Kreislaufsituation nimmt.

Vorgehen:

  • möglichst oft kalte Wickel anwenden (Coldpack, Antiphlogestinwickel) Ziel: Unterdrückung des Blutflusses und die daraus resultierende Milchbildung
  • Pfefferminz- und Salbeitee trinken,
  • Petersilie, Pfefferminzkaugummi, Salbeibonbons essen
  • Alternative Medizin, (Akupunktur, Homöopathie durch geschultes Personal)
  • Gespräche und Beratung durch Stillberatung und Hebammen während Hospitalisationszeit

Sekundäres Abstillen nach >24h post partum

Konservatives sekundäres Abstillen

Die Mamillenstimulation und die Entleerung der Brust sind für die Milchbildung ausschlaggebend (autokrines System). Aus diesem Grund kann durch ein kürzeres und selteneres Stillen/Pumpen konservativ abgestillt werden. Möchte die Mutter rasch abstillen, stillt/pumpt sie nur dann, wenn sie ein unangenehmes Spannungsgefühl in der Brust verspürt und nur so lange bis sie sich wieder wohl fühlt. So wird einerseits einem Milchstau vorgebeugt und andererseits wird durch den dadurch verursachten Druck in der Brust (Feedback of Inhibitor of Lactation) die Milchsekretion zusätzlich zum Stillstand gebracht. Das konservative Abstillen kann den Trauerprozess unterstützen und bei der Verarbeitung des Kindsverlustes hilfreich sein (2). Dazu gehört eine engmaschige Begleitung durch med. Fachpersonen.

Unterstützende Massnahmen

  • Kalte Wickel (Coldpack, Quarkwickel, Antiphlogestinwickel, Heilerde)
  • Pfefferminz- und Salbeitee, Petersilie
  • gut stützender, kompakt sitzender BH
  • Alternative Medizin wie Akupressur, Akupunktur und Homöopathie
  • Nachbetreuung durch die Stillberatung (Termin nach Vereinbarung)

Aus der Literatur (3) ist schon seit Jahren bekannt, dass eine Flüssigkeitseinschränkung keine Wirkung auf die Milchmenge hat.

Das konservative Abstillen ist schonend für die Brust, die Mutter und das Kind (allmähliches Anpassen an künstliche Babynahrung und den durch das Abstillen verringerten Hautkontakt).

Bei einem raschen Vorgehen dauert das Abstillen ca. 14 Tage. Es ist jedoch individuell steuerbar und eine Relaktation ist jederzeit möglich.

Medikamentöses sekundäres Abstillen

Nur auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter und nach Information über die Nebenwirkungen wird mit Dostinex (Cabergolin) 4 x ½ Tabl. à 0.5mg alle 12 Stunden abgestillt. Beachte: Die Wirkung tritt erst nach 3 Stunden ein. Daher muss die Brust vor der ersten Gabe von Dostinex “leer gepumpt“ werden. Dieses restriktive Vorgehen empfiehlt sich aus folgenden Gründen (3):

  • Dostinex wirkt nur bei 77% der Frauen (23% haben Rebound = zusätzlicher Milcheinschuss)
  • Nebenwirkungen: Blutdrucksenkende Wirkung innerhalb 6 Stunden (während des stat. Aufenthaltes tägliche Blutdruckkontrolle), Nausea, Kopfschmerzen, Benommenheit, abdominale Schmerzen, Müdigkeit, Obstipation, Erbrechen, Brustschmerzen, Hitzewallungen, Depressionen, Parästhesien
  • Kontraindikationen: Bei Präeklampsie oder postpartaler Hypertonie mit persistierendem hohen Blutdruck ist vor dem Verabreichen von Dostinex zuerst der Blutdruck adäquat zu therapieren; gleichzeitige Behandlung mit Erytromycin respektive Ketoconazol, mütterliche Galactosämie
  • Solange Milch produziert wird, darf sie auch unter Abstillen mit Cabergolin dem Kind gegeben werden.
  • eine Relaktation ist schwer möglich
  • Es ist ratsam erst einen Monat nach Absetzen von Dostinex schwanger zu werden.
  • Oft sind die oben erwähnten konservativen Massnahmen und Entlastungspumpen trotzdem notwendig!
  • Die Dauer beträgt ca. 14 Tage ähnlich lange wie beim konservativen Abstillen

Natürliches Abstillen

Das natürliche Abstillen ist ein vom Kind bestimmtes Abstillen. Grundsätzlich kann so lange gestillt werden, wie es Mutter und Kind Freude bereitet. Im Idealfall bis sich das Baby von selbst abstillt, d.h. bis es kein ernsthaftes Interesse mehr zeigt an der Brust zu saugen.

Die WHO/ UNICEF empfiehlt das Baby die ersten sechs Monate ausschliesslich und mit Beikost bis ins zweite Lebensjahr weiter zu stillen. Mit dem Einführen fester Nahrung tritt das Stillen als Ernährung nach und nach in den Hintergrund. Die Muttermilch ist nach dem 6. Monat immer noch ein hochwertiges Nahrungsmittel! Im zwanzigsten Lebensmonat entspricht der Spiegel von IgA und IgG der Höhe, die nach einer Laktationsdauer von zwei Wochen gemessen wurde.

Literatur

  1. V. Scherbaum, F.M.Perl, U. Kretschmer (Hrsg.) – Stillen – Frühkindliche Ernährung und reproduktive Gesundheit – deutscher Ärzteverlag, S.84 (2003)
  2. Zumbühl Eva & Nadine Richter, Beratung zur Unterdrückung der Laktation, Bachelor – Thesis 2013
  3. Scheele Michael, Abstillen –natürlich oder medikamentöse, Pädiatrische Praxis 59. 583 – 587 (2001)
  4. Arzneimittelkompendium der Schweiz 2006

zusätzlich:

  • Akre James, Die Physiologischen Grundlagen, WHO, 1994
  • Herausgeber AFS: Stillen und Stillprobleme, Enke1993
  • Hormann Elizabeth: Stillen nach dem 6. Lebensmonat
  • Kroth Carina: Stillen und Stillberatung, Ullstein Medical, 1998
  • Lawrence, R.A.: Breastfeeding: a guide for the medical profession, Mosby, St.Louis, 1989
  • Riordan and Auerbach: Breastfeeding and Human Lactation, Jones and Barlett Publishers, Bosten
  • C. Schäfer, H. Spielmann, K. Vetter, C. Weber-Schöndorfer: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit, 8. Auflage, Elsevier GmbH Verlag, 2012
  • Website des embryo- toxikologischen Instituts Berlin: www.embryotox.de
  • Abfrage Medikamente: www.compendium.ch

Autorisiert: A. Winkler
Version: 24.05.2017
Gültig bis: 30.06.2020